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Vegetarische Grünkern-Klopse Königsberger Art

Grünkern ist eine besondere Variante des Dinkels. Aus der aufwendigen Verfeinerung des Urgetreides entsteht eine nussig und herzhaft rauchig schmeckende Spezialität. Zu Unrecht ein wenig aus der Mode gekommen, lässt sich aus Grünkern einiges Leckeres kochen. In meiner Region ist zum Beispiel eine Suppe beliebt und bekannt – die „Hanauer Bollesupp“. In einer sämigen Brühe mit Grünkern schwimmen kleine Hackbällchen. Köstlich!

Ich verwende Grünkern sehr gerne als Alternative für Hackfleischspeisen. Weil das Getreide einen so besonderen Geschmack aufweist, können tolle vegetarische Gerichte gekocht werden. Da verzichten wir doch gerne auf Fleisch!

Grünkern-Klopse, die vegetarische Variante nach Königsberger Art

 

Der

Klassiker

vegetarisch

Wie bereite ich meine Grünkern-Klopse zu?

Königsberger Klopse kenne ich schon seit Kindheitstagen. Meine Omi brachte das Gericht sozusagen in den Schwarzwald. Natürlich hat sie es damals, wie die Originalspeise, aus Fleisch zubereitet. Ich stelle euch stattdessen ein Rezept mit Grünkern vor. Grünkern ist hier mein Rezeptchanger. Klops steht übrigens für kleiner Kloß. Das Gericht stammt aus dem damaligen Ostpreußen. Von dort kam auch meine Omi. 

Dafür bereite ich erst eine gewürzte Grünkern-Masse zu. Kurkuma ist dabei ein heißer Tipp für das Aroma, aber auch für das Aussehen. Der Getreideteig lässt sich prima mit den Händen zu Kugeln formen. Als Hilfe benutze ich gerne noch einen Eisportionierer. Da läuft der Arbeitsschritt so richtig rund. Die Grünkern-Klopse ziehen dann im siedenden Salzwasser gar und werden fest.

Parallel lässt sich eine feine Sauce zubereiten. Sie basiert auf einer Mehl-Zwiebel-Schwitze. Mit Brühe aufgegossen und mit Sauerrahm cremig verfeinert, erhält die Sauce ihren letzen Schliff durch Kapern, Zitronenabrieb und -saft. Klassisch werden Königsberger Klopse mit Salzkartoffeln und Rote-Bete-Salat gereicht. Ich esse die Grünkern-Bällchen gerne mit Preiselbeeren. Das ist zwar nicht üblich, aber lecker! Erinnert irgendwie an schwedische Köttbullar.

Die Variante mit Grünkern schmeckt genauso würzig und aromatisch wie das Original.

 

Alternative

und

Superfood

Was ist das Besondere an Grünkern?

Grünkern ist nichts anderes als das Urgetreide Dinkel. Er wird noch nicht ganz reif geerntet. Eine traditionelle Vorgehensweise, da früher viel Angst herrschte, dass das Getreide bis zur vollen Reife kaputt gehen könnte. Und das bedeutete Hunger und große Not. Jedoch belohnt die frühere, auf den Tag genaue Ernte des Dinkels mit einem herzhaft herben, nussig und leicht grünen Aroma.

Aber weil Grünkern im Vergleich zum ausgereiften Korn noch feucht und saftig ist, muss er getrocknet werden. Sonst wäre Grünkern nicht haltbar und lagerfähig. Das geschieht in einem Dörrverfahren, das noch gleichzeitig einen weiteren besonderen Geschmack von Grünkern hervorbringt. Über Buchenholzfeuer wird Grünkern vorsichtig über Stunden geröstet. Da steckt zusätzlich Raucharoma dahinter!

Er eignet sich hervorragend zum Kochen. Vor allem herzhafte Speisen bieten sich mit Grünkern an. Von einer deftigen Suppe, zum modernen Burger bis hin zum saftigen Risotto – alles ist möglich. Grünkern wird angeboten als ganzes Korn, als Schrot und als Grieß. Wer Vollkorn liebt, der sollte zu Grünkern greifen.

Seinen Ruf der Ökobewegung in den 1980er Jahren als staubiger Bratling hat Grünkern schon lange nicht mehr. Denn er wurde als Delikatesse und heimisches Superfood wiederentdeckt.

Ist Grünkern besonders gesund?

Wie ihr euch schon denken könnt, ist Grünkern sehr gesund. Er bietet durch die Verwendung des vollen Korns viele Ballaststoffe. Gut für unsere Verdauung! Und er wird gut vertragen. Außerdem zeichnet sich Dinkel als eins der Getreide aus, das mit einem hohen Proteingehalt punktet. Somit hält Grünkern auch lange satt.

Weiter beinhaltet Dinkel viele Vitamine der B-Gruppe. Eine beachtliche Menge an Mineralstoffen wie Phosphor und Magnesium machen das Getreide gesund. Ja und dann ist da noch das Eisen. Für ein pflanzliches Lebensmittel ist in Grünkern reichlich davon vorhanden. Ein Knaller und gut für Vegetarier und Veganer!

Gegenüber Weizen weist Dinkel eine geringere Schadstoffbelastung aus. Als Urgetreide wächst er auch auf kargem Boden und ist weniger empfindlich. Daher benötigt Grünkern kaum Dünger und Pflanzenschutzmittel. Das spricht doch alles für den Dinkelgenuss! 

Vegetarische Grünkern-Klopse Königsberger Art

 

Zutaten

für 4 Personen
(ergibt 12 Klopse)

  • 100 g Karotten

  • 1 Knoblauchzehe

  • 2 kleine Zwiebeln

  • 1 EL Öl

  • 250 g Grünkernschrot

  • 900 ml Gemüsebrühe

  • 2 TL Majoran, gerebelt

  • 1 TL Kurkumapulver

  • Salz und Pfeffer

  • 2 EL Butter

  • 2 EL Mehl

  • 1 Lorbeerblatt

  • ½ Bio-Zitrone

  • 200 g Sauerrahm

  • 1 Eigelb

  • 3 EL Sojasauce

  • (evt. 1 EL Vollkornmehl)

  • 3 EL Kapern

  • Muskat

  1. Karotten waschen und raspeln. Knoblauch und 1 Zwiebel schälen und in kleine Würfel schneiden. Alles in Öl in einer Pfanne glasig anschwitzen.
  2. Grünkernschrot mit 500 ml heiße Gemüsebrühe, Majoran, Kurkuma, etwas Salz, Pfeffer und Gemüse-Zwiebel-Würfeln aufkochen und
    20 Min. zugedeckt bei kleiner Hitze ziehen lassen.
  3. Mit Salz abschmecken und vollständig abkühlen lassen.
  4. Inzwischen zweite Zwiebel schälen und fein würfeln. In Butter andünsten, Mehl zugeben, mit restlicher Gemüsebrühe auffüllen und Lorbeerblatt hineinlegen. Ca. 20 Min. zugedeckt köcheln lassen.
  5. Zitrone waschen und trockenreiben. Sauerrahm in eine Schüssel geben. Zitronenschale hineinreiben und Saft auspressen.
  6. Grünkernmasse mit Eigelb und Sojasauce vermengen. Sollte die Masse zu wenig Bindung haben, Vollkornmehl darunter geben. Knödel formen und in siedendem Salzwasser 10 Min. ziehen lassen.
  7. Kapern mit 1 EL Kapernsud in die Sauce geben und 2 bis 3 Esslöffel davon mit einem Schneebesen in den Sauerrahm rühren. Den erwärmten Sauerrahm in die Sauce geben, die nicht mehr kochen sollte. Mit Zitronensaft, Salz, Pfeffer und Muskat  abschmecken.

Tipps

Dazu passen Salzkartoffeln und Rote-Bete-Salat. Nach Köttbullar-Style schmecken Preiselbeeren sehr gut dazu.

Mit einem Eisportionierer lassen sich leicht gleich große Klopse formen.

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